Polster-Willi Standfoto

Polster-Willi verwertet alte Ölfässer

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Irgendwann einmal erzählte mir ein befreundeter Schrotthändler von einem alten Mann, der in Düsseldorfs Straßen Altpapier, Kartons, alles Verwertbare einsammelt und in einem alten Bauwagen ohne Fenster und ohne Licht haust.

Zur Weihnachtszeit hatte der Schrotthändler ihn einmal eingeladen, den Heilig Abend mit seiner Familie zu verbringen. Da sagte ihm der Polster-Willi: „Nö, da hab ich keine Zeit, da bin ich am Rheinufer und fütter’ die Ratten.“

Mit seinem Traktor fährt er durch Fußgängerzonen, zerschlägt mitten in der Stadt Glasscheiben, füttert Ratten und lässt sich von der Stadt nichts verbieten: der Polster-Willi.

Sein Spitzname stammt aus der Zeit, zu der er von Schrotthändlern alte Autositze abholte, diese am Rheinufer verbrannte und die zurückbleibenden Metallteile wieder an die Schrotthändler verkaufte. Sein Zuhause ist ein alter, hölzerner Bauwagen mit zugenagelten Fenstern, ohne Licht, abgestellt auf dem verfallenen Autohof in einem jener Viertel Düsseldorfs, die von den meisten Bewohnern der Stadt nie betreten werden.

Diese leeren Kopfsteinstraßen mit Ziegelmauern, Bretterzäune mit halb abgerissenen Plakaten und Schuttplätze an Güterbahnhöfen, Straßenbahndepots, Schlachthöfe und Schrottverwertungen erlauben ihm den Rückzug vom staatlichen System der Versorgung, Sicherung und Ordnung. Hier kann er sein Leben nach eigenem Willen gestalten, in größtmöglicher Unabhängigkeit von den Regeln eines Staates, den er immer nur in Form von Zwängen und Repressalien zu spüren bekommen hat.

Willi kommt nur zum Schlafen hierher, tagsüber geht er der Tätigkeit nach, die er nach dem Krieg, privilegiert durch den Besitz eines Handkarrens, begonnen hatte: in den Trümmern nach allem suchen, womit sich handeln und tauschen lässt. Die Dinge, die er sammelt und verkauft, haben sich seit damals nicht wirklich geändert, nur aus der Trümmerlandschaft ist eine andere geworden. Nicht mehr die Zerstörung durch Bombenangriffe ist es, die ihm ermöglicht, kleine Vermögen zu finden, sondern die Zerstörung der Poesie in den Menschen, die sie noch Brauchbares der Vernichtung preisgeben lässt.

 

Polster-Willi Standfoto

Polster-Willi zerlegt Lichtmaschinen und Transformatoren auf einem Schrottplatz

 

Festivals

  • Turin
  • Figueira
  • Bilbao
  • Neu Delhi

 

Verfügbarkeit

  • Filmkopien, 16 mm verfügbar in Englisch, Portugiesisch und Spanisch

 

Technische Daten

  • Originaltitel: Polster-Willi (Dokumentation, 1984)
  • Länge: 75 Minuten
  • Format: 16mm, Farbe
  • Regie: Mathias Allary
  • Sprache: Deutsch, Englische Untertitel verfügbar

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