Drucken

 

Ich freue mich, dass ich die erste Verfilmung von Ernst Weiß wagen konnte. Jeder ahnt, was er von einer Kafka-Verfilmung zu erwarten hat. Wer Weiß nicht gelesen hat, weiß nicht, warum der Film so aussieht, wie er aussieht.

 

Ich habe den Film nicht historisch angelegt, eher archetypisch. Als Parabel auf alle Kriege, alle Frantas. Für mich hat Jan Kurbjuweit, der zum ersten Mal vor der Kamera stand, diese Dimension als Franta vermittelt. Gleichzeitig wollte ich aufzeigen, wie weit man im Medium gehen kann, ohne den Zuschauer zu vergessen.

 

Die Erzählung von Ernst Weiß ist eine sehr beeindruckende literarische Arbeit. Wenn man so etwas ins Filmmedium übersetzen will, muss man ungewöhnliche Ausdrucksformen finden, die solcher Wortgewalt nahe kommen. Farben können als ein Gestaltungselement des Films so eine Kraft haben. Ganze Industriezweige wie etwa die Werbung oder Verpackungsfirmen leben davon, dass Menschen, ohne darüber nachzudenken, die Bedeutung von Farben erfühlen können. Es gibt Farbtabellen zu kaufen, in denen Grundwirkungen und Bedeutungen klar definiert sind.

 

Mit dem Einsatz von Farben im Film hatte ich mich bereits vor acht Jahren während des Studiums beschäftigt. Deshalb stimmte ich dem Vorschlag von Jan Jäger (Drehbuch), Willi Regensburger, einen Freund der malt, in das Projekt einzubeziehen, zu. Susan Schulte (Redaktion) und Dr. Dietrich Mack (Produktion Südwestfunk) haben es durch ihr Vertrauen ermöglicht, die Theorien in die Praxis umzusetzen: Das Konzept ließ sich nur bedingt mit Worten vermitteln. Außer der Regiemitarbeit Esma Yilmaz und dem Maler Willi Regensburger war niemand aus dem Team länger mit der neuen Erzählform vertraut. Jeder sieht nur seinen eigenen Arbeitsbereich und kann die neuartige Umsetzung schwer nachvollziehen. Da sind Zweifel und Skepsis an dem Wagnis naheliegend.

 

 

Wenn man dennoch auf das filmische Gesamtkonzept eines jungen Regisseurs setzt und dies vom SWF-Team in so hervorragender Weise umgesetzt wird, ist das ungewöhnlich. Im organisatorischen Bereich haben Jürgen Venske und seine Mitarbeiter selbst schwierige Erfordernisse möglich gemacht.

 

Das Abenteuerliche an dem Projekt war, dass man sich nicht an bereits vorhandenen Filmen orientieren konnte. Also habe ich erst während der Arbeit an dem Film gelernt, wie man so etwas machen muss. Bereits im Entstehungsprozess des Drehbuchs konnte ich dem Drehbuchautor und dem Maler meine filmischen Vorstellungen vermitteln. Dennoch musste ich in der Praxis abweichend vom Drehbuch oft andere Lösungen finden, um näher an Ernst Weiß heranzurücken oder die Szenenübergänge flüssiger zu machen.

 

Manche Elemente wirkten nicht wie erwartet. Es zeigte sich, dass viele Gemälde nach dem Abbilden auf Film keine Kraft mehr hatten. Film gehorcht anderen Gesetzen als eine Galerie. Dafür wurden andere Dinge, die mir während der Drehzeit einfielen, wie etwa das rasche Aufstreichen diverser Kostüm- und Wandfarben auf Leinwand, zu enorm wichtigen Elementen der Montage. Den Anforderungen des Projekts entsprechend musste Willi Regensburger schnell und häufig auch nach Vorlage von gedrehten Szenen arbeiten. Die insgesamt 16 im Film eingebundenen Bilder, Zeichnungen und Skulpturen zeugen von dieser Arbeitsweise.

 

Dieses Konzept der Verbindung von Malerei und Film ist nur für diese Erzählung entstanden. Auch wenn es in diesem Fall gelungen ist, so lässt es sich nicht beliebig übertragen. Es birgt schließlich große Probleme und Gefahren in sich. Kein Wunder, dass diese beiden eigenständigen Kunstformen selten aufeinander losgelassen werden.

 

Was die Herstellung der Motive angeht, so wurden mit der Malerei noch zwei weitere gleichwertige Gestaltungsbereiche bei „Franta“ aufeinander abgestimmt: Szenenbild und Kostümbild. Hier wurde Außergewöhnliches geschaffen: Überzeugende Schauspielleistung, herausragende Licht- und Kameraarbeit, sensible Tonaufnahme und Tonmischung, und ein Filmschnitt, der den Vergleich mit Kinoproduktionen nicht zu scheuen braucht.

 

Mathias Allary, Regisseur